Die Ausstellungsreihe „THE NEW NORMAL“ befasst sich mit der Veränderung von Gewohnheiten unter den Bedingungen der Corona Pandemie.

In der Enge der Stadt

Von Verdichten oder Verdichtung spricht man u.a. in der Land-und Forstwirtschaft (Bodenverdichtung), dem Städtebau (Verdichtung der Bebauung oder Besiedelung), der Technik (Verdichtungsverhältnis des Verbrennungsmotors) und bei der Zusammenfassung von Daten in einer Datenbank (Aggregation). Die Verdichtung ist aber auch ein Begriff in der Küche, wo sie in Konzentraten wie z.B. dem Brühwürfel und Reduktionen von z.B. Saucen zur Anwendung kommt, ebenso wie in der Kosmetik, wenn es z.B. um Haarverdichtung geht. Unterschieden davon ist das „sich verdichten“, das im Beispiel des Sichverdichtens von Nebel deutlich wird.

In der Kunst ist die Verdichtung ein wesentliches Element der Kompositionslehre. Dabei geht es aber um mehr als eine formale Funktion zur Aufteilung der Bildfläche oder des Bildraumes. Vielmehr bedeutet die Verdichtung hier auch die Vertiefung der Sinngebung und des Bedeutungsgehaltes eines Kunstwerks im Sinne einer Reduktion auf das Wesentliche z.B. durch Abstraktion.

Hier soll künstlerisch untersucht werden, ob und wie sich Verdichtungsprozesse und – Phänomene in dieser Zeit gesellschaftlich bemerkbar machen. Dabei können einerseits äußere Prozesse abgebildet und analysiert werden, wie zum Beispiel die Verdichtung von Raum, andererseits aber auch inter- und innerpersonale Prozesse. So können bisher eher technisch angewandte Begriffe wie z.B. ‚abdichten’ oder ‚dichtmachen’ möglicherweise eine ganz neue Bedeutung im Sinne von ‚abschotten’, ‚isolieren’ oder ‚vereinsamen’ bekommen. Verdichtung im Sinne größerer Nähe z.B. in Gruppen, kann sowohl Angst auslösen, als auch ein Gefühl von z.B. Heimat oder Zuhause neu definieren. Gleichwohl kann das Dichtmachen, wenn man es als Konzentration auf das Wesentliche begreift, zu einem Reflexionsprozess der eigenen Lebenssituation führen. Damit kann ein Erneuerungsprozess verbunden sein, der aus der Verdichtung in eine andere Richtung expandiert und zur Wahrnehmungs- und Erfahrungserweiterung führt, betrachtet man das Gegenteil von Verdichtung, nämlich die Erweiterung oder Expansion.

Bei der Untersuchung des Phänomens Verdichtung in Bezug zum „NEW NORMAL“ werden sowohl klassische künstlerische Methoden wie Malerei, Grafik, Plastik/Objekt und Fotografie, ggf. aber auch Raum-Installationen, Performance, Mapping u.a. zur Anwendung kommen. So werden sich verschiedene Schwerpunkte der künstlerischen Arbeit zum Thema manifestieren und in der Produzentengalerie 42 präsentiert werden.

Die Untersuchung wird dabei vom Erkenntnisinteresse, der Situation und den technischen Möglichkeiten jeder einzelnen Künstler*in geleitet.

MICHAELA DÜLLBERG ∙ ROSA FEHR-VON ILTEN ∙ SABINE GORSKI ∙ CLAUDIA KARWEICK ∙ HEIDE MÖLLER ∙ CLAUDIA TERLUNEN

Ausstellungsort:
Produzenten-Galerie 42
Arneckestr. 42
44139 Dortmund

Ausstellungsdauer:
31. Oktober – 28. November 2021

Öffnungszeiten:
Do, Fr, So 15-18 Uhr

Verdichtung – The New Normal
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